Eine Ausbildung im Handwerk – eine Lehre mit Zukunft

Meine Lieblingskollegin Sylvia (ihr gehört der Blog Kunstecht) hat heute in ihren Instagram-Stories Werbung für eine Ausbildung im Handwerk gemacht. Ihre beiden Töchter lernen gerade im Handwerk. Die eine: Winzerin (wie cool ist das denn bitte?) Die andere ist vor kurzem mit ihrer Ausbildung zur Feintäschnerin fertig geworden.
(Welche Frau hätte nicht gerne eine Tochter mit einem solchen Beruf zuhause?). 

Sylvia hat mir mit ihren Worten wirklich aus der Seele gesprochen. Ich bereue es bis heute zutiefst, keine handwerkliche Ausbildung gemacht zu haben. Mein Traumberuf wäre ja Friseurin gewesen, aber meine zahlreichen Allergien haben mir da leider einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. So habe ich halt Bürokauffrau gelernt – aber das zumindest in einem Handwerksbetrieb (Radio- und Fernsehtechnik – leider auch ein Beruf der ausstirbt) 

Nicht jeder ist für das Gymnasium beziehungsweise für ein Studium geeignet 

Was ich aber absolut nicht nachvollziehen kann ist, dass immer mehr Ausbildungsplätze gerade im Handwerk unbesetzt bleiben. 
Statt dessen werden die Kids heutzutage sozusagen aufs Gymnasium „geprügelt“ damit sie später einmal studieren. Natürlich gibt es Kinder und Jugendliche, denen eine Akademikerkarriere quasi in die Wiege gelegt wurde. Aber ich glaube, dass der Großteil der Schüler nicht dazu gehört. 
Das Fazit sind dann Kids, die mit der Schule völlig überfordert sind, und irgendwann auf die Realschule beziehungsweise die Mittelschule wechseln. Was ja an sich überhaupt nicht schlimm ist. 
Nur weil jemand kein Abitur hat, ist sie oder er nicht automatisch dümmer oder schlechter, auch wenn das in vielen Köpfen noch so verankert ist. 
Ich kenne übrigens aus meiner ehemaligen beruflichen Laufbahn ziemlich viele Menschen, die Abitur haben, aber denen irgendwie jede praktische und vor allem die Herzensbildung fehlt. 

Aber noch viel schlimmer finde ich die jungen Menschen, die in einer Ausbildung vielleicht viel besser aufgehoben wären aber, übertrieben gesagt, im 25ten Semester BWL oder was ähnliches studieren, eben weil sie Druck aus dem Elternhaus bekommen und/oder aus dem Freundes- beziehungsweise Bekanntenkreis. Oder die ihr Studium überhaupt nicht abschließen, eben weil sie dafür einfach nicht geschaffen sind. Liebe Eltern: Nicht jeder hat das Zeug zum Akademiker oder zum Banker und wäre in einer handwerklichen Ausbildung vielleicht wirklich besser aufgehoben
Ich möchte an dieser Stelle aber nochmal betonen, dass ich damit nicht die Kids meine, denen eine Akademikerlaufbahn praktisch in die Wiege gelegt wurde.

Handwerksberufe haben Zukunft! 

Gerade in vielen Handwerksbetrieben bleiben Ausbildungsberufe unbesetzt. In vielen Köpfen ist, glaube ich, immer noch fest verankert, dass eine Ausbildung im Handwerk gleichzusetzen ist mit dreckiger und schwerer körperlicher Arbeit. Oder dass der Friseurazubi im ersten Lehrjahr maximal die Haare weg kehren darf.

Doch auch in den Betrieben hat mittlerweile ein Umdenken stattgefunden. In vielen Firmen bekommt ein Azubi, sobald er gut eingearbeitet ist, durchaus auch in einem gewissen Rahmen Verantwortung und eigene Projekte. 
Außerdem bekommen Azubis die sich beispielsweise in der Berufsschule schwer tun den dementsprechenden Support in ihren Ausbildungsbetrieben.

Ich will es jetzt aber auch nicht schönreden. Natürlich ist eine Arbeit beispielsweise als Elektriker, Maler oder Anlagenmechaniker Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik nicht unbedingt super sauber und körperlich ziemlich anstrengend.
Trotzdem ist es doch toll, wenn man anschließend das fertige Gebäude (oder die Lagerhalle usw.) sieht und sagen kann: Da habe ich mitgearbeitet.
Mal ganz abgesehen davon, dass man ja nicht für Ewigkeiten in seinem Job „festgeschweißt“ ist. Gerade im Handwerk gibt es viele Möglichkeiten sich weiterzubilden. Beispielsweise als Techniker oder Meister. Und natürlich steht auch einem anschließenden Studium nichts im Weg. 
Ehemalige Lehrlinge haben gegenüber ihren Kommillitonen, die noch nie etwas gearbeitet haben, zudem einen Riesenvorteil: Sie wissen wie es in einer Firma läuft, und gehen dementsprechend auch anders an manche Sachen ran. 
Bevor man also kreuzunglücklich in einem Studium sitzt, das überhaupt nicht zu einem passt, sollte man doch lieber über eine Ausbildung nachdenken. 

Viele Firmen suchen immer noch Azubis. Fragt einfach beim Arbeitsamt oder bei einem Berufsberater nach. Die Handwerkskammern geben euch auch sicherlich gerne eine Hilfestellung. 

Zum Schluss möchte ich noch unsere Kreishandwerksmeisterin Monique Haas zitieren: „Wir brauchen mehr Meister und nicht Master!“ – Ein Satz, den ich voll unterschreiben kann!