Geballte Frauenpower für Jattaba in Gambia

Xenia Hügel ist Autorin, Lyrikerin, Mutter eines Sohnes und einer der nettesten und positivsten Menschen, die ich kenne. Kennengelernt haben wir uns vor etwa drei oder vier Jahren (ich habe leider das Zeitgefühl einer Eintagsfliege), als damals die Esperantos in Wörth am Main vor Anker ging. Danach sind wir uns immer wieder über den Weg gelaufen und haben irgendwann festgestellt, so unterschiedlich wir auch sind, dass wir uns ziemlich gut leiden können.

 

Das war für mich auch der Anlass, über ihr damaliges Projekt „Sounds of Hope Children Center“ in Uganda zu berichten. Im Dezember 2018 stolperte Xenia mehr oder weniger zufällig über die Facebook Seite von Nicholas Mubeezi, dem Leiter der Einrichtung. Damals beherbergte er etwa 35 Waisenkinder unter extrem schlechten Bedingungen. Nicholas war damals kurz davor aufzugeben, weil gerade ein potenzieller Partner abgesprungen war, der ihn und die Kinder unterstützen wollte. Kurzentschlossen nahm Xenia die Sache in die Hand, denn ihr war klar: „Ich muss was für Nicholas und die Kinder tun.“ Seitdem ist unglaublich viel passiert. Xenia konnte beispielsweise den Rapper Kollegah (ihr wisst schon, der mit Farid Bang) für die Kinder in Uganda gewinnen. Dabei ist ihr völlig bewusst, dass er durchaus polarisiert. Aber was er für „ihre“ Kinder getan hat, ist unbezahlbar. Mit seiner Hilfe konnte beispielsweise ein Brunnen gebaut werden. Ganz spontan übernahmen dann auch noch sein Management und er die Patenschaft für 10 der Kinder. Mittlerweile konnten Nicholas und seine Kinderschar in ein eigenes Haus ziehen. Dort gibt es zum Beispiel auch noch Edith, die sich um die Frauen und Mädchen kümmert, eine Köchin, sechs Lehrer und ausreichend Security um das Gelände und die Kinder zu schützen. 

Kinder im Sounds of Hope Children Center ©privat

Weitere Projekte in Uganda 

Männer sind in Uganda ein extrem heikles Thema. Das Land hat eine der höchsten HIV-Infektionsraten der Welt. Kurzerhand hat Xenia ein Kondomprojekt gestartet, für das übrigens immer noch Paten gesucht werden. Für 1,00 €uro bekommt man in Uganda 12 Kondome, die von Ediths Mädels in öffentlichen Toiletten oder auf der Straße verteilt werden. Auch mit Edith gemeinsam hat Xenia ein weiteres Projekt ins Leben gerufen. Etwa 16 Frauen fertigen wunderschönen Schmuck aus Papier (!) oder nähen Binden, die dann für eine kleine Aufwandsentschädigung verkauft werden. Denn gerade den Frauen fehlt es in Uganda, wie so oft in Afrika, häufig am nötigsten. Mit dem Erlös werden die Nähmaschinen repariert oder Bücher angeschafft. 

Mittlerweile hat Xenia das „Sounds of Hope Children Center” in die Selbständigkeit entlassen – aber immer noch ein liebevolles Auge drauf. Mit Nicholas steht sie beispielsweise täglich in Kontakt. Auch die Spendengelder werden von ihr direkt überwiesen. Somit ist dafür gesorgt, dass nichts in „dunklen Kanälen“ versickert. 

©Privat
Und nochmal die Kinder vom Sounds of Hope Children Center ©Privat

Und jetzt: Jattaba in Gambia 

Afrika liegt Xenia anscheinend im Blut. Denn als das „Sounds of Hope Children Center” auf eigenen Beinen stand, wartete schon das nächste Herzensprojekt „um die Ecke.“ Mehr aus Zufall hörte sie ein Telefongespräch ihres Bekannten Omar Sanneh mit seinem Papa Bakery B. Sanneh. Wir Frauen sind halt extrem neugierig, und in diesem Fall war das echt großartig. Denn Xenia hörte die Worte (zumindest stelle ich mir das so vor): Wasser, Brunnen, Probleme, alle Felder trocken und hakte natürlich genauer nach. Bei Bakery B. Sanneh, der Bürgermeister von Jattaba in Gambia ist. Er schilderte seinem Sohn seine Sorgen. Der Dorfbrunnen ist seit 15 Jahren kaputt und für die medizinische Versorgung müssen die Menschen ins 46 Kilometer entfernt gelegene Krankenhaus. Dahin geht es aber nicht komfortabel im PKW oder im Krankenwagen, sondern auf dem Eselskarren oder eben zu Fuß. Xenia fackelte nicht lange und nahm die Sache in die Hand. Noch am gleichen Tag postete sie einen Spendenaufruf bei Facebook und Instagram, und die ersten 100 €uro kamen auch relativ zügig auf dem Spendenkonto an. 

Xenia und ihre Mitstreiter ©Privat

Schon wie bei dem Sounds of Hofe Children Center machte sich Xenia auch auf die Suche nach Mitstreitern. Denn wer einen beinharten Gangsterrapper wie Kollegah von so einem tollen Projekt wie dem Sounds of Hope Children Center überzeugen kann, dem gelingt meiner Meinung nach sowieso alles. Die erste Prominente, die das Projekt unterstützte, war (beziehungsweise ist) die Schauspielerin Mariele Millowitsch. 

Xenia konnte aber noch eine weitere prominente Powerfrauvüberzeugen: Das Model Hana Nitsche – bei uns bekannt aus Germanys Next Topmodel. Sie ist nicht nur wunderschön, sondern hat auch ein großes Herz und hat die Schirmherrschaft über das Projekt übernommen. Hier geht es übrigens zu ihrem Instagram Account. 

Die wunderschöne Hana Nitsche ©Privat

Doch erstmal wartete auf die beiden Powerfrauen eine böse Überraschung: Die Kosten für die Reparatur des Brunnens stiegen von ursprünglich 4.000 €uro auf 9.000 €uro. Doch auch davon ließen sie die beiden sich nicht entmutigen. Xenia war sich sicher: „Das Geld kriegen wir auch noch zusammen, es dauert halt vielleicht nur etwas länger“ Genauso war es dann auch. Ende Juli konnte Xenia das Geld überweisen. Hier geht es übrigens zu ihrem Instagram Account, wo alles mit Bildern dokumentiert ist. 

Ein Krankenhaus für Jattaba 

Damit endet das Engagement der beiden Powerfrauen in Jattaba aber nicht. Ich habe ja schon erwähnt, dass die medizinische Versorgung dort nicht so ist, wie wir in Deutschland das kennen. 

Xenia und Hana nahmen sich der Sache an. Mittlerweile kommt zweimal im Monat Dr. Darbow in das kleine Dorf, um dort die Menschen zu untersuchen. Das hat sich natürlich schnell rumgesprochen, und auch die Menschen aus den umliegenden Dörfern und dem benachbarten Senegal kommen nach Jattaba wenn Dr. Darbow vor Ort ist. 

Das große Ziel ist der Bau eines Krankenhauses. „Das Grundstück gibt es übrigens schon und es liegen auch schon die ersten Steine“, erzählte mir Xenia. Gestiftet wurde der Platz für das neue Krankenhaus übrigens von Bakery B. Sanneh. Der ist von den beiden Frauen Xenia und Hana so beeindruckt, dass er sie kurzerhand zu Ehrenbürgerinnen von Jattaba ernannte. „Das ist eine so wahnsinnig große Ehre“ sagt mir Xenia sichtlich bewegt. Dabei hat sie auch das ein oder andere Freudentränchen verdrückt, als die Nachricht sie erreichte. 

Natürlich wollen sich die beiden auch vor Ort ein Bild von der Lage machen, sobald sich die Covid 19 Lage etwas beruhigt hat. 

Dr Darbow im Einsatz ©Privat

Selbst der kleinste Betrag zählt 

So, an dieser Stelle möchte ich natürlich auch zum eifrigen Spenden aufrufen. Ich weiß, wir haben im Moment ziemlich verrückte Zeiten, und vielen von uns geht es finanziell auch nicht ganz so gut. Als Freiberuflerin bilde ich da übrigens keine Ausnahme. Aber selbst der kleinste Betrag, den ihr erübrigen könnt, hilft den Menschen Jattaba – und wenn es nur ein €uro ist!

Spendenkonto 

„Health Center Jattaba“ Sparkasse Miltenberg-Obernburg DE12 7965 0000 0501 5662 85

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